Pamela Russmann lebt und arbeitet in Wien.

Mit der Fotokamera richte ich mein Sehen, meine Seele auf das, was vor mir, rund um mich herum und zugleich mit mir geschieht. Diese Arbeitsweise erfordert eine seltsame Hybridpräsenz: Ich bin Teil des Ganzen, aber zugleich muss ich mich soweit abgrenzen, dass ich nicht völlig vereinnahmt werde. Ich mag den Begriff der „durchlässigen Grenze“ sehr gern, denn obwohl ich nicht inszeniere und anweise wie eine Regisseurin, will ich natürlich die Kontrolle behalten und innerhalb der Begrenzung meines Suchers arrangieren. Für mich ist der entscheidende Moment dann gekommen, wenn ich von den Menschen, auf die ich meine Kamera richte, nicht mehr wahrgenommen werde als Eindringling oder als Fremdkörper, wenn sie „vergessen“, dass ich da bin. Ist das geschafft, gelange ich manchmal in sehr private Situationen, in denen der Finger am Auslöser zögert und ich mich frage, darf ich das jetzt überhaupt? Darf ich so nah sein, soll ich so nah sein?